20 Modellkommunen erhalten Zertifikate und Qualitätssiegel

Zukunftskonzepte für den demografischen Wandel – Neue Kommunen können ab Oktober gefördert werden

Stuttgart, 07.10.2015

Die ersten 20 Städte und Gemeinden aus Baden-Württemberg wurden im Rahmen einer Festveranstaltung im Neuen Schloss Stuttgart für ihre wegweisenden kommunalen Zukunftskonzepte ausgezeichnet. Jürgen Lämmle, Ministerialdirektor im Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren, ehrte die Beteiligten mit dem Zertifikat und Qualitätssiegel "Familienfreundliche, bürgeraktive & demografiesensible Kommune". Die Modellkommunen haben gemeinsam mit ihrer Bürgerschaft Zukunftskonzepte entwickelt, um Familien zu entlasten, ältere Menschen zu unterstützen und Neubürger willkommen zu heißen. Vor Ort entstehen Familien- und Mehrgenerationenhäuser, Bürgergemeinschaften und Generationennetzwerke, Initiativen zur Neubürgerbegrüßung und Willkommenspatenschaften. Die ausgezeichneten Städte und Gemeinden haben hierzu im Rahmen des Landesprojekts "Managementverfahren familienfreundliche, bürgeraktive & demografiesensible Kommune", das im Auftrag des Sozialministeriums durchgeführt wird, eine zwölfmonatige Vor-Ort-Begleitung sowie ergänzende Beteiligungs- und Qualifizierungsveranstaltungen absolviert. Das Managementverfahren arbeitet wie ein Audit im Unternehmensbereich.

"Es ist uns gemeinsam gelungen, die Bürgerinnen und Bürger verstärkt dafür zu gewinnen, an der Gestaltung des demografischen Wandels und der Zukunft ihrer Kommune mitzuarbeiten", so Lämmle. "Die Projekte, die derzeit entstehen, sind sehr vielversprechend. Mit der Auszeichnung wollen wir hierzu weiteren Ansporn geben", sagte Lämmle. Ausgezeichnet wurden Allmersbach im Tal, Bad Saulgau, Bad Wildbad, Buchen, Burgstetten, Emmingen-Liptingen, Forbach, Friedenweiler, Güglingen, Ingersheim, Külsheim, Künzelsau, Lahr, Müllheim, Salach, Spraitbach, Steinmauern, Sulz am Neckar, Unlingen und Unterensingen.

Verantwortungsgemeinschaften zur Gestaltung des demografischen Wandels

Bei der Ehrung im Neuen Schloss unterstrich Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Kruse, Vorsitzender der Altenberichtskommission der Bundesregierung, die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements bei der Gestaltung des demografischen und gesellschaftlichen Wandels. Kruse stellte hierzu erste Leitgedanken aus dem Siebten Altenbericht der Bundesregierung vor, der gestern Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig übergeben wurde. Angesichts der rasant fortschreitenden Alterung unserer Gesellschaft bräuchten die Kommunen dringend bürgerschaftliche Netzwerke und sorgende Gemeinschaften, um dem künftigen Hilfe- und Pflegebedarf im Alter gerecht zu werden. Solche ehrenamtlich getragenen Engagement- und Hilfenetzwerke sollen ältere Menschen in Gemeinschaft halten, mit Alltagshilfen, Fahrdiensten und Tagesbetreuung begleiten und damit auch pflegende Angehörige entlasten. "Auch angesichts der Flüchtungssituation wird deutlich, wie es gelingen kann, dass Land, Kommunen und Bürgergemeinschaften gemeinsam Konzepte und Ideen umsetzen", betonte Lämmle. "Daher freut es mich besonders, dass die Bürgerinnen und Bürger in den Modellkommunen auch zahlreiche Projekte für eine gemeinsame Neubürgerbegrüßung und Willkommenskultur entwickelt haben", so Lämmle abschließend.

Beispielhafte Projekte aus den Kommunen

Stadt Buchen (Odenwald)

In Buchen entsteht gerade ein Mehrgenerationentreff sowie ein Outdoor-Bewegungspark für alle Generationen. Der 15.000 m² große Bewegungspark mit Spiel- und Fitness-Geräten für Jung & Alt ist ein Projekt der Dietmar-Hopp-Stiftung. Der Mehrgenerationentreff ist eine Idee aus der Bürgerbeteiligung und soll in direkter Nachbarschaft zum neuen Bewegungspark entstehen. Hier ist ein offener Treffpunkt für alle Generationen geplant, hier soll das bereits bestehende Bürgernetzwerk mit seinen Hilfeleistungen, Sprechstunden und Fahrdiensten seine Heimat finden. Besonders für ältere Menschen, Familien und Neubürger in Buchen soll der Treff zur festen Anlaufstelle werden.

Stadt Müllheim

In Müllheim hat sich das "Generationen-Netz Müllheim e.V." gegründet. Hier haben sich Bürgerinnen und Bürger zusammengeschlossen, um Alltagshilfen und Tagesbetreuung für ältere Menschen zu organisieren und Familien zu entlasten. Ein Begegnungscafé für Jung & Alt wurde im August eröffnet. Ältere Menschen werden mit Besuchen und Alltagshilfen begleitet. Derzeit wird der Pool ehrenamtlicher Helfer weiter ausgebaut. Zudem entwickelt Müllheim ein neues Mobilitätskonzept, um den Bedürfnissen älterer Menschen besser gerecht zu werden. Hierzu wurde im Sommer eine große Bürgerumfrage durchgeführt. Die Idee ist, das bestehende Stadtbusangebot mit ehrenamtlichen Fahrdiensten wie z.B. Bürgerbussen zu kombinieren, um alle Ortsteile optimal anzubinden.

Gemeinde Steinmauern

Steinmauern entwickelt sich Schritt für Schritt zum "Generationendorf". Aus einer heute leer stehenden Gaststätte soll in naher Zukunft ein Familien- und Generationentreff werden, der Austausch, Begegnung, Hilfe- und Betreuungsleistungen für alle Generationen ermöglicht. Nicht weit davon entfernt soll das Generationenhaus am Rendel entstehen, ein gemeinschaftliches Wohnprojekt für Jung & Alt. Erste Treffen von interessierten Bauwilligen und künftigen Bewohnern haben bereits stattgefunden. Die Gemeinde fördert das Projekt mit Grundstück, Planungsstudien, Moderation und Öffentlichkeitsarbeit.

Gemeinde Eichstetten am Kaiserstuhl

Eichstetten hat bereits vor 20 Jahren die Weichen gestellt und bürgerschaftlich getragene Hilfe- und Pflegestrukturen geschaffen, wie sie heute der Siebte Altenbericht fordert und auch die 20 Modellkommunen anstreben. Rund 500 der 3.500 Einwohner haben sich hier zur "Bürgergemeinschaft Eichstetten e.V." zusammengeschlossen, um Betreutes Wohnen und eine Pflegewohngruppe im Dorf zu ermöglichen. Eiin großer Anteil der Tagesbetreuung und Alltagsbegleitung wird von ehrenamtlichen Helfern aus der Bürgerschaft geleistet. Ein professioneller Pflegedienstleister ist ebenfalls beteiligt. Koordiniert wird das Bürgerengagement von dem angeschlossenen Bürgerbüro. In dem gleichen Gebäude – einem ehemaligen Dorfgasthaus – ist auch ein offenes Tagescafé untergebracht.

Projektinformation

Das Landesprojekt "Managementverfahren familienfreundliche, bürgeraktive & demografiesensible Kommune" unterstützt Städte und Gemeinden dabei, die Folgen des demografischen und gesellschaftlichen Wandels anzugehen und gemeinsam mit der Bürgerschaft geeignete kommunale Zukunftskonzepte zu entwickeln. Das Projekt wird vom Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg gefördert und in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, dem Gemeindetag, Städtetag und Landkreistag Baden-Württemberg, dem Kommunalverband für Jugend und Soziales, der Akademie Ländlicher Raum sowie der FamilienForschung des Statistischen Landesamtes umgesetzt.

Für Oktober 2015 ist eine Neuausschreibung geplant. Interessierte Kommunen können hierzu Anmeldeunterlagen anfordern.

Kontakt

Franziska Haase-Flaig | 0711 641 2728 | franziska.haase-flaig[@]stala.bwl.de

Andreas Reuter | 0711 6375 212 | andreas.reuter[@]kvjs.de

Jens Ridderbusch | 0711 641 2719 | jens.ridderbusch[@]stala.bwl.de

www.familienfreundliche-kommune.de

www.kommunales-managementverfahren.de

Quelle

FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt Baden-Württemberg

Andreas Kruse im Neuen Schloss Stuttgart - Jürgen Lämmle bei der Auszeichnung der Stadt Buchen - Die Beteiligten aus den 20 Kommunen Andreas Kruse im Neuen Schloss Stuttgart - Jürgen Lämmle bei der Auszeichnung der Stadt Buchen - Die Beteiligten aus den 20 Kommunen